29.10.2026 04:00
Profitieren vom Steuersegen
Am 29. November kommen die Schulbudgets zur Abstimmung - Zielbild 2030 will die Verwaltung stärken
Während die Primarschulgemeinde ihren Steuerfuss bei 50 Prozent behält, kann die Sekundarschule die Steuern senken. Die höheren Steuereinnahmen verbessern die Aussichten beider Gemeinden.
Kreuzlingen «Aufgrund der steigenden Steuereinnahmen war es ein entspannteres budgetieren», sagt Schulgemeindepräsidentin Seraina Perini bei ihren Erläuterungen zu den Budgets 2027 beider Körperschaften. Die steigenden Fiskaleinnahmen bezeichnet sie als nachhaltig, vor allem aufgrund des Abbaus der Rückstände bei den Veranlagungen. Damit hätten sich die finanziellen Perspektiven gegenüber der letztjährigen Planung verbessert.
Hoher Fremdkapitalbedarf
Einen positiven Rechnungsabschluss budgetiert die Primarschulgemeinde. Sie rechnet mit einem Gewinn von 697'000 Franken bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 50 Prozent. «Der Fremdkapitalbedarf der Primarschule bleibt hoch, da sich die Investitionen in das Schulzentrum Wehrli und die Erweiterung im Seetal nicht vollständig mit eigenen Mitteln bezahlen lassen», hält Seraina Perini fest. Der Personalaufwand der Primarschule steigt gegenüber dem Budget 2026 um etwas mehr als eine Million Franken auf 37,8 Millionen Franken. «Das ist auf zwei bis drei zusätzliche Klassen zurückzuführen».
«Wenn es den anderen Schulgemeinden gut geht, dann geht es auch uns besser». Finanzchefin Susanne Burgmer erwähnt dies im Zusammenhang mit den Beiträgen an den kantonalen Finanzausgleich. Dieser soll laut Budget im kommenden Jahr um 582'000 Franken tiefer als im Vorjahr ausfallen. Zusammen mit dem um 1,7 Millionen höheren Fiskalertrag als 2026 budgetiert, kann die Primarschulgemeinde Kreuzlingen mit Gewinn abschliessen.
Primarschule mit
hohen Investitionen
Die Sekundarschule hingegen budgetiert einen kleinen Verlust von knapp 200'000 Franken. Dies bei einem um ein Prozent tieferen Steuerfuss von neu 21 Prozent. Die Sekundarschule verfüge über eine hohe Eigenkapitalbasis und eine tiefe Verschuldung, begründet die Schulpräsidentin die Steuerfusssenkung. «Auf Reserve dürfen wir keine Steuern erheben», ergänzt sie. Ausserdem seien alle drei Sekundarschulzentren umfassend erneuert, grössere bauliche Investitionen ständen nach Abschluss der laufenden Projekte vorerst nicht an. Auch in der Sekundarschule steigt der Personalaufwand aufgrund zusätzlicher Klassen um 465'000 Franken auf knapp 12,6 Millionen Franken. An den kantonalen Finanzausgleich müssen 420'000 Franken weniger als im Vorjahr einbezahlt werden.
Der Steuerertrag fällt laut Budget im kommenden Jahr um 130'000 Franken tiefer aus. «Das ist der Steuersenkung geschuldet», so Susanne Burgmer. Die Investitionen in der Sekundarschule im kommenden Jahr belaufen sich auf 828'000 Franken netto inklusive IT und baulichem Unterhalt. Anders sieht es in der Primarschule aus. Hier sind im kommenden Jahr Investitionen 18 Millionen vorgesehen. Davon fliessen 7,7 Millionen in den Erweiterungsbau Seetal mit 6,5 Millionen, die Sanierung des Bestandes im Seetal mit 600'000 Franken und die Heizung mit ebenfalls 600'000 Franken. 7,9 Millionen Franken sind für das Schulzentrum Wehrli vorgesehen, davon 6 Millionen für den Neubau Schoderbach und 800'000 Franken für die Sanierung des Bestandes.
Verwaltung anpassen
Hohe Priorität wird der Anpassung der Verwaltung an die Betriebsgrösse gewidmet. «Mit rund 500 Mitarbeitenden sind wir der drittgrösste Betrieb der Stadt», sagt Seraina Perini. Und dies bisher ohne eigene Personalabteilung. Nach Prozessoptimierungen stehe nun aktuell ein nächster Schritt für die Umstrukturierung der Verwaltung an. Eine eigene, der Betriebsgrösse angepasste, eigenständige Personalabteilung solle die seit längerem bestehende Lücke schliessen und Mitarbeitende sowie Führungskräfte bei anspruchsvollen Personalfragen unterstützen.
«Vorgesehen ist eine Gesamtleitung Verwaltung», blickt die Schulpräsidentin voraus. Sie solle die operative Führung bündeln, das Schulpräsidium entlasten und die Kontinuität langfristig und nachhaltig sichern. «Insgesamt enthält das Budget zusätzliche 140 Stellenprozente für HR und Finanzen». Die Kosten dafür würden zu 60 Prozent von der Primar- und 40 Prozent von der Sekundarschule getragen, die pädagogische Eigenständigkeit der Schulleitung bleibe erhalten, betont Seraina Perini. Im Detail würden die einzelnen Schritte erst nach der Abstimmung zum Budget am 29. November entschieden.
Der Zahn der Zeit nagt
Nicht mehr aufschiebbar ist die Sanierung der rund 100-jährigen Villa Louisa, in der die Verwaltung mit 15 Arbeitsplätzen untergebracht ist. Im Budget 2027 sind dafür als erste Tranche 1,2 Millionen Franken vorhanden, die Gesamtsanierung wird auf 2,85 Millionen geschätzt. Die Arbeiten seien in den vergangenen Jahren zugunsten der Schulbauten zurückgestellt worden, «nun sind sie überfällig», hält Seraina Perini fest. Gründe seien zunehmend schlechtere Bausubstanz und erneuerungsbedürftige Installationen. Ausserdem fehle der hindernisfreie Zugang, der bei öffentlichen Bauten zwingend notwendig sei. Geplant sei die Instandsetzung des Gebäudes sowie energetische und brandtechnische Verbesserungen.
Von Kurt Peter