08.10.2026 04:00
Aus dem Dornröschenschlaf erwacht
Die Sandegg wurde aufwenig saniert und ist wieder zugänglich - Am 17. Oktober findet das grosse Einweihungsfest statt
Die Ruine Sandegg ist keine Ruine mehr. Nach etwas mehr als einem Jahr Bauzeit wird die Anlage Mitte Oktober derÖffentlichkeit übergeben. Entstanden ist eine Perle am Untersee mit einem Ausblick, der seinesgleichen sucht.
Salenstein Gemeindepräsident Bruno Lorenzato ist begeistert: «Nach mehr als 20 Jahren Verfall ist die Ruine Sandegg ein Prachtstück am Untersee», sagt er auf der grossen Aussichtsplattform. Dass die Gemeinde das Grundstück vom Eigentümer geschenkt und anschliessend von der Gemeindeversammlung vom 5. Dezember 2024 einen Sanierungskredit bewilligt bekommen hat, war seiner Meinung nach der richtige Schritt. «Und ich spüre auch jetzt den grossen Rückhalt der Bevölkerung, vor allem die älteren Einwohnerinnen und Einwohner freuen sich über das gelungen Werk». Denn der Blick von der Aussichtsplattform werde viele an ihre Kindheit erinnern. «Hier oben, hoch über dem Untersee zu stehen, gab uns den Kindern eine Ahnung davon, was Fliegen bedeuten könnte», erinnert sich der Gemeindepräsident.
Viel Material wiederverwendet
Dass der bewilligte Kredit von 700'000 Franken überschritten wird, ist zwar ein Wermutstropfen, doch «unvorhergesehene Arbeiten und die beschlossene Erschliessung mit Strom und Wasser haben das Projekt massiv verteuert». Dazu kämen ein erhöhter Aufwand bei den Sicherungsbohrungen, ein erhöhter Materialaufwand aufgrund des Materialzustandes und Abdichtungsarbeiten sowie die Gartenanlage mit naturnahem Bereich damit die Fauna und die Flora ihr Habitat finden können. Wenn er sich umschaue und durch die fertige Anlage spaziere, gebe es nur ein Fazit: «Es hat sich gelohnt». Und Bruno Lorenzato hofft weiter auf Spenden, um das Budget zu entlasten. Die Baukommission hat sich entschieden, ein Crowdfunding einzurichten, um das Investitionsbudget zu entlasten. Die Idee liegt darin, dass sich Privatpersonen aber auch Firmen und Ingenieurbüros, die über längere Zeit geschäftliche Beziehungen mit der Gemeinde Salenstein pflegen und dieses Projekt als gelungen ansehen, eine Spende einreichen können.
Auch Bauleiter Charles Keller zeigt sich beim Rundgang zufrieden. «Nach Möglichkeit wurde altes, in den steilen Hang gestürztes Baumaterial gesichert und mit dem Kran auf die Baustelle gehoben, zehn Kubikmeter Steine konnten so der Verwendung zugeführt werden», sagt er. Das ehemalige Wasserbecken vor der Aussichtsplattform wurde aus Sicherheitsgründen zugeschüttet und bepflanzt. Der Hirsch, dem ein Geweih und die Ohren fehlten, wacht wieder stolz über die Anlage. Auch der Gewölbekeller unter der Plattform wurde aufwendig saniert.
2004 und 2006 stürzten die nordwestlichen Mauern der Terrasse und der älteren Keller ein. Die Anlage wurde in der Folge aus Sicherheitsgründen für die Öffentlichkeit gesperrt. Nach der Erschliessung der Ruine galt das Augenmerk den Abbruch und Sicherungsmassnahmen. Bei diesen Sicherungsmassnahmen konnte eine Betonwand und Betonriegel zur statischen Stabilisierung eingezogen werden. Ebenfalls wurden alte Mauern, die eine Tiefe von bis zu zwei Meter hatten, wieder aufgemauert und mit den neuen Materialien verbunden. Jener Teil der Aussichtsplattform, der in einem schlechten Zustand war, wurde ebenfalls abgerissen und neu betoniert. Damit ein erneutes Ausbrechen verhindert werden kann, wurden Sicherungsbohrungen durch die restaurierte Nordwand ausgeführt und mit bis zu 4,5 Meter langen Stäben im dahinterliegenden Gewölbe des Kellers verankert.
Hilfe des Baumeisterverbandes
Nach den Sicherungsarbeiten konnte nun auch die Aussichtsplattform wieder erstellt werden. Dabei wurden Sandsteinquader, die den Hang hinunterstürzten, wieder eingesammelt und mit dem Kran geborgen. Bestehendes Material wie Bodenplatten, Zierkugeln Mauersteine und so weiter, wurde, sofern es der Zustand zuliess, wiederverwendet. Fehlendes Material musste in Rorschacher Sandstein neu beschafft und verbaut werden. «Hier wurde eine handwerklich sensationelle Leistung vollbracht», blickt Bruno Lorenzato zurück. Hilfe kam dabei auch vom Baumeisterverband Thurgau, mit dem vereinbart wurde, dass auszubildende Maurer in ihren sogenannten «Landwochen», überregionalen Kursen, ihr Fachwissen am historischen Objekt erweitern konnten. So waren drei Gruppen zu je einer Woche auf Sandegg an der Arbeit und konnten zusammen mit der Fachfirma Stein Schneider aus Berlingen und ihrem Instruktor Hand anlegen.
«Es war eine grossartige und angenehme Truppe junger angehender Maurer, die mit viel Motivation und Innovation tätig waren», sagte Bruno Lorenzato. Damit die Aussichtsplattform auch ihrem Namen gerecht werden kann, mussten einige Bäume der Waldpflege weichen. So haben der Förster und seine Mitarbeiter in Teilaktionen für eine akzeptable Aussicht gesorgt. Dabei wurden Bäume manuell gefällt und mit dem Baukran aus dem Gelände gehoben und abtransportiert.
Bruno Lorenzato hatte sich vier Ziele gesetzt, drei konnten eingehalten werden: Unfallfreies Bauen, der Baukran wurde nicht zum Denkmal und die Einweihungsfeier findet am 17. Oktober statt. Das vierte Ziel, die Einhaltung des Budgets, konnte nicht erreicht werden. Das Crowdfunding soll das Budget entlasten. Über www.lokalhelden.ch/gartenanlage-sandegg-salenstein kann gespendet werden. Bis 6. Oktober kamen knapp 35'000 Franken zusammen, die Aktion läuft noch und der Gemeindepräsident ist zuversichtlich, dass «wir ein Defizit von nur noch 60'000 Franken erreichen». Und Bruno Lorenzatos letztes Ziel: «Auf der Bank der Aussichtsplattform eine Zigarre rauchen».
Von Kurt Peter