Stefan Wehrli und Iris Kaderli erläuterten das Budget von Energie Kreuzlingen. Kurt Peter
06.11.2025 07:00
Nur Strom mit Gewinn
Energie Kreuzlingen will netzdienlichen Speicher realisieren - IT-Sicherheit ist ein Sorgenkind
Energie Kreuzlingen rechnet im Budget 2026 mit einem Defizit von 1,33 Millionen Franken. Das Resultat ist im Rahmen der Vorjahre. Zurückzuführen ist das Ergebnis auf Umsatzrückgang und höhere Abschreibungen.
Kreuzlingen «Das Budget 2026 liegt mit seinem Verlust von 1,33 Millionen Franken im Rahmen des Vorjahres», sagte der zuständige Stadtrat Thomas Beringer anlässlich der Medienkonferenz. Vor allem setze sich der Trend steigender Kosten fort, bedingt durch die Revision der Stromgesetzgebung und die Teuerung sowie der Bestrebungen zur CO2-Reduktion in der Wärmeerzeugung. «Zudem schafft Energie Kreuzlingen drei neue Stellen, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen».
Energie nicht mehr verschenken
Die Sparte Elektrizität schliesst mit einem Gewinn von 332'000 Franken ab, alle andere Sparten verzeichnen ein Minus. Bei der Wärme liegt dieses bei 914'000 Franken, beim Wasser bei 543'000 Franken, bei den Dienstleistungen bei 131'000 Franken und bei den zentralen Diensten bei 71'000 Franken. «Die Umsätze gehen stark zurück, die Energiepreise sinken», begründete Iris Kaderli, Leiterin Finanzen und Dienste die Ergebnisse. Bei der Wärmeversorgung komme zusätzlich der Wegfall eines Grosskunden hinzu. Auch der Umstieg zahlreicher Haushalte auf Wärmepumpen sorgten für das Defizit in dieser Sparte. Ausserdem seien die Abschreibungen im Gasnetz höher, bedingt durch die Nutzungsdauer.
Energie Kreuzlingen plant im kommenden Jahr Investitionen in Höhe von 14,1 Millionen Franken. Bei der Elektrizität sind es total 7,5 Millionen Franken, zwei Millionen in die Erneuerung und den Ausbau des Leitungsnetzes, 1,8 Millionen für Trafostationen und eine Million für Smart Meter. Für einen netzdienlichen Speicher sind 1,7 Millionen Franken vorgesehen. «Wir haben vor zwei Jahren eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, doch die Entwicklung in diesem Bereich ist rasant», erklärte Stefan Wehrli, Leiter Energie Kreuzlingen. Deshalb werde der Standort geprüft. Ausschlaggebend sei, dass in Kreuzligen an Sonnentagen mehr Energie erzeugt werde als gebraucht. «Diese geht ins EKT-Netz und wird somit verschenkt». Geplant sei eine Batterie in langlebiger Technologie aus Europa. «Wir werden das Projekt ausschreiben», erklärte Stefan Wehrli.
Wärmestrategie im Gemeinderat
In die Sparte Wärme werden 2,6 Millionen investiert, davon 1,2 Millionen in das Netz und eine Million für das Vorprojekt einer Wärmestrategie für Kreuzlingen. «Eine Botschaft kommt im Frühling in den Gemeinderat», ergänzte dazu Stadtpräsident Thomas Niederberger. In der Sparte Wasser plant Energie Kreuzlingen 2,1 Millionen Franken an Investitionen, davon 1,4 Millionen für das Netz und 300'000 für die Sanierung von Reservoiren.
Die Zentralen Dienste sehen Investitionen von 1,9 Millionen Franken vor, 1,8 Millionen Franken für das neue Betriebsgebäude. Ursprünglich sollten 700'000 Franken in das Projekt Aufbau IT-Sicherheit fliessen. «Ein Stadtratbeschluss hat diese Summe auf 500'000 Franken gekürzt und die ursprünglich 3,8 Millionen Franken, aufgeteilt auf vier Jahre, ebenfalls nicht beschlossen», so Thomas Beringer. Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen müsse ein Minimal-IT-Standard erreicht werden, erläuterte Stefan Wehrli. Es gelte, die kritische Infrastruktur zu schützen, «über Smart Meter, über jeden Zähler beispielsweise gibt es Möglichkeiten, die Energieversorgung zu hacken».
Mehrere Konzepte diskutieren
Energie Kreuzlingen habe Massnahmen getroffen, welche die Sicherheit gewährleisten sollten. Ohne diese Massnahmen erreiche Energie Kreuzlingen die seit dem Jahr 2023 geltenden gesetzlichen Vorgaben nicht, gab Stefan Wehrli zu. Nun solle eine Projektgruppe Konzepte erarbeiten. «Dem Stadtrat lag bisher nur ein Konzept vor, aber wir wollen mehrere Projekte diskutieren und erst dann über die zu treffenden Massnahmen beschliessen», erläuterte Thomas Niederberger. Auf die lange Bank schieben wolle der Stadtrat das Thema sicher nicht, es solle nach Möglichkeit in die nächste Budgetrunde gebracht werden.
Von Kurt Peter