Sie stellten die neuen Räumlichkeiten des Living Museums und des Ateliers Treff vor (vl): Bennet Hutzelmeier, Lenka Roth und Volker Häussner. Kurt Peter
30.10.2025 05:00
Mit Kunst zum Denken anregen
Aus einer Schreinerei wurde ein offenes Atelier - Die neuen Räumlichkeiten kommen gut an
Das Living Museum hat ein neues Domizil: Seit Mitte August ist die Institution an der Müllerstrasse 2a beheimatet. Die ehemalige Schreinerei bietet eine optimale Infrastruktur, eine gemütliche Atmosphäre und das Atelier wird anlässlich der Kunstnacht am 8. November offiziell eröffnet.
Kreuzlingen Das Living Museum war vor allem aus finanziellen Gründen auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. «Die Lage an der Hauptstrasse war zwar zentral und attraktiv, doch leider auf Dauer zu teuer», sagt Volker Häussner, Abteilungsleiter Arbeit bei Mansio. Neben dem Living Museum sollten die Räumlichkeiten auch das Atelier Treff für durch Mansio betreute, in Kreuzlingen wohnhafte Personen, aufnehmen. «Fündig wurden wir schliesslich an der Müllerstrasse 2a, seit Mitte August sind wir in der ehemaligen Schreinerei beheimatet und fühlen uns hier sehr wohl», so Volker Häussner.
Ort der Kreativität geschaffen
Die Skepsis bei den Besuchenden des Living Museums sei teilweise gross gewesen, blickt Teamleiterin Lenka Roth zurück. «Der Umzug war eine grosse Herausforderung, der neue Standort mit der Befürchtung behaftet, nicht mehr so zentral und eher versteckt zu sein». Die Skepsis habe sich aber schnell gelegt und Betreuer Bennet Hutzelmeier sagt, «dass wir auf dem Weg niemanden verloren haben und sich alle schon bisher im Living Museum kreativ tätigen Personen hier wieder einfinden». Natürlich spiele dabei die Bekanntheit des Living Museums durch den ehemaligen Standort an der Hauptstrasse eine Rolle, aber auch das Netzwerk mit den anderen Living Museen sei wichtig und verhelfe zu Popularität, hält Lenka Roth fest. Das merke das Team an den zahlreichen Anfragen und spontanen Besuchen. «Alles in Allem ist es uns gelungen, auch an der Müllerstrasse einen Ort der Kreativität und der Offenheit zu realisieren».
Das Living Museum befinde sich mitten in einem Wohnquartier und die Nachbarschaft habe Neugier und Interesse am Atelier gezeigt. «Wir geniessen hier eine grössere Ruhe, an der Hauptstrasse war es doch deutlich lebendiger, unruhiger und das quirlige Leben sorgte für Ablenkung», so Lenka Roth. Für viele Besuchende aber sei Ruhe wichtig für die kreative Arbeit. «Zudem haben wir hier einen schönen Garten für den Aufenthalt im Freien, der auch Platz für den Brennofen bietet», ergänzt Volker Häussner.
Menschen erreichen
Das Living Museum wird von über 60 Personen mit und ohne psychischer Erkrankung genutzt, durchschnittlich etwa 15 Personen täglich. «In der Regel sind sie mehrere Stunden im Haus», erklärt Bennet Hutzelmeier. Und sie seien treu: 75 Prozent der Personen seien seit vielen Jahren im Atelier und nutzen die vielfältigen Angebote. Für IV-Empfangende ist die Teilnahme kostenlos, Sozialhilfe beziehende könen eine Kostenübernahme beantragen und den Selbstzahlenden wird ein Stundenansatz berechnet. Was ganz wichtig sei, gelte auch am neuen Standort: «Wir bieten ein Kreativangebot für die Stadt».
Das Living Museum wird sich an der kommenden Kunstnacht vom 8. November beteiligen und den Anlass auch gleich zur offiziellen Eröffnung nutzen. Nutzen, um «viele Menschen zu erreichen und Inhalte zu zeigen», wie es Lenka Roth ausdrückt. Von 17 bis 22 Uhr ist das Atelier geöffnet, der Abend steht unter dem Motto Labyrinth. «Das haben wir gewählt, weil am Anfang eines Werkes nicht klar ist, wie es herauskommt, weil man sich im Labyrinth im Detail verlieren kann, wie bei der Entstehung von Kunst, weil es Mut braucht, den Weg zu beginnen und Veränderungen zu akzeptieren», erklärt Bennet Hutzelmeier. Das Laboratorium für Artenschutz wird sich vom zentralen Ort der Kunstnacht, der Bodensee-Arena, um 17 Uhr zum Living Museum auf den Weg machen. Mit Klappstühlen laden sie Personen zum Verweilen ein.
Auf Spenden angewiesen
Die Möglichkeit, sich der breiten Öffentlichkeit an der Kunstnacht vorzustellen «wollen wir aber auch nutzen mit Raum und Kunst Menschen zu erreichen und zum Denken anzuregen. Und wir nutzen die Gelegenheit darauf aufmerksam zu machen, dass das Living Museum auch auf Spenden angewiesen ist, trotz Praktikantinnen, Praktikanen und vieler Ehrenamtlicher», sagt Volker Häussner. Denn das Angebot soll für alle Interessierten bezahlbar sein und vor allem bezahlbar bleiben.
Von Kurt Peter