Sie erläuterten das Projekt der Neugestaltung (vl): Christian Hauser, Präsident der evangelischen Kirchgemeinde, Damian Brot, Luis Marsall, Annina De Carli, Mario Rechsteiner und Myriam Gautschi. Kurt Peter
05.11.2025 08:00
Eine offene Kirche schaffen
Konzept für Innenraum-Gestaltung der Kirche Kurzrickenbach vorgestellt
Der Innenraum der evangelischen Kirche Kurzrickenbach soll neu gestaltet werden. Ein Konzept liegt vor, im Mittelpunkt steht die Multifunktionalität mit Erhaltung der Sakralität.
Kreuzlingen Die ersten Gedanken zur Umgestaltung der Kirche Kurzrickenbach gehen auf die Corona-Pandemie zurück. «Seither hat sich die Vorsteherschaft intensiv mit der Kirche Kurzrickenbach beschäftigt», sagte Annina De Carli, Leiterin der Baukommission anlässlich der Informationsveranstaltung. 2020 sei der Startschuss gefallen, erinnert sich Pfarrer Damian Brot. «Während der Pandemie war klar, dass wir die Menschen nicht im Stich lassen dürfen, dass wir eine soziale Anlaufstelle schaffen müssen und deshalb mehr Platz brauchen».
Ideen aufgenommen
An dieser zweiten Informationsveranstaltung zur Innenraum-Neugestaltung seien verschiedene Vertreterinnen und Vertreter aus der Kirchgemeinde eingeladen worden: Das Pfarrteam, Diakone, die Vorsteherschaft, Open Place und Jugendarbeit, so Damian Brot. Es liege ein Konzept vor, das die verschiedenen Wünsche, Anliegen und Erfahrungen aus der Zeit «des Experimentierens», wie es Damian Brot bezeichnete, aufgenommen habe. Das sei möglich, nachdem die Kirchgemeindeversammlung grünes Licht für die Erarbeitung gegeben habe. «Nach kontroversen Diskussionen übrigens einstimmig», sagte der Pfarrer. Ein Konsens herrsche: «Das Projekt soll gut und günstig sein».
Architektin Myriam Gautschi, Professorin an der Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) erläuterte das Konzept zusammen mit Architekt Luis Marsall und Lichttechniker Mario Rechsteiner. «Das Konzept berührt uns, hat uns den Ärmel hereingenommen», sagte sie zu Beginn ihrer Ausführungen. Verschiedene Fragen und Themen seien in einem langen Protokoll dokumentiert und aufgenommen worden. «Das war die Basis für unsere Arbeit, in der grundlegende Bedürfnisse der verschiedenen Nutzer und Nutzerinnen berücksichtigt wurden».
Multifunktional im Zentrum
Verschiedene Aktionen brauchten Ordnung, meinte sie. Im Zentrum stehe die multifunktionale Nutzung. «Und wir wollen die sakrale Bedeutung der Kirche erhalten». Das Konzept gehe auf verschiedene Themen ein. Licht, Atmosphäre, Raumqualität, Theke, Sitzen, Lager und Akustik. Die Theke bleibe unter der Galerie, der neue , dunkle Boden könne dünn aufgetragen werden und es gebe schallschluckenden Täfer entlang den Wänden mit Tischen und Sitzbänken. «Wir wollen im Innenraum einen aufgeräumten Eindruck, das schaffen wir mit viel Lager- und Stauraum».
Luis Marsall ging auf die Akustik ein, die «den normalen Kirchenklang ermöglichen wird». Deshalb sei ein Täfer mit 3D-Reflief vorgesehen, welches nicht direkt an der Wand befestigt werde. Denn Dämmung und Installationen brauchten ihren Platz. Die Sitzbänke seien aufklappbar und die Anrichte «wird praktisch und effizient, macht einfaches Arbeiten möglich». Die Tische seien 120 mal 80 Zentimeter gross, aufklappbar auf 240 Zentimeter Länge und auf Rädern, um die gewünschte Flexibilität zu sichern. «Die vorhandenen Stühle wollen wir nutzen, beispielsweise für die Gottesdienste, die definitive Lösung haben wir aber noch nicht gefunden», ergänzte Myriam Gautschi.
Grünes Licht von Vorsteherschaft
«Die Beleuchtung ist nicht mehr im Schuss», sagte Lichttechniker Mario Rechsteiner. Das Konzept sehe eine indirekte Lichtführung entlang des Täfers sowie drei Pendelleuchten im Chorbereich vor. Auch an der Decke sei eine indirkete Lichtführung vorgesehen, die Theke bekomme eine beleuchtete Arbeitsfläche und die «bestehenden Wandleuchten kommen weg». Das Team habe die Lichtstimmungen im Innenraum anhand eines 3D-Modells simuliert. Übrigens auch die Möglichkeit mit farbigem Licht. «Davon rate ich allerdings ab», machte Mario Rechsteiner klar. Die Gesamtkosten für die Neugestaltung bezifferte er mit rund 300'000 Franken. Die Anwesenden waren sich einig: «Wir bekommen für einen angemessenen Preis eine schöne Kirche, es wäre schade, die grosse Chance zu verpassen». Annina De Carli ging auf die weiteren Schritte ein. Nach dem Beschluss in der Kirchenvorsteherschaft, die sich am vergangenen Donnerstag klar für das Konzept ausgesprochen hat, würden die Stimmberechtigten zu weiteren Informationsanlässen eingeladen. «Im Frühling 2026 kommt ein Antrag an die Kirchgemeindeversammlung, bei einem Ja wollen wir im Sommer 2026 mit dem Bau beginnen».
Von Kurt Peter